Ruhrpott-Rodeo, Arschkarte für Rollipunks!!!

Heute gibt es den ersten Bericht von Silke, die die Handicapped Punx Reihe auf pogOcam startet!
Der ganz normale Wahnsinn im Rollstuhl durchs Leben zu kommen!!!
Auf geht’s:

Eigentlich wollte ich gar nicht auf das diesjährige Ruhrpott-Rodeo Festival fahren, da ich im Rollstuhl unterwegs bin und es im letzten Jahr schon diskriminierend genug für mich war. Das Behinderten-Dixie-Klo stand bis oben voller Scheiße und mir explodierte fast die Blase, bis die Herren Ruhrpottrodeo eine Lösung fanden und meine Person samt Rolli, der übrigens alleine schon ca 70 Kilo auf die Waage bringt, in die saubere Backstage-Toilette (vorne drei Treppenstufen) hieften. Wie peinlich!

Ich dachte mir egal, trinke ich eben nur so viel, daß ich nicht dehydriere, dann brauche ich nicht so oft Pippi machen. Doch als mir dann klar wurde, daß ich mir die Bands auch nur aus 50 Metern Entfernung angucken konnte (Amphietheater Gelsenkirchen, 1001 Stufen runter zur Bühne, ebenerdiger Zugang gesperrt, Security richtliniendevot und doof wie Brot) war ich überhaupt nicht mehr amüsiert.
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Aber in diesem Jahr sollte alles anders werden -oder doch nicht?-. Es wurde bekannt, daß das Festival auf der Schwarzen Heide in Hünxe stattfindet. Juhu da wohne ich, dann kann ich mein großes Zelt und vorsichtshalber mein Chemo-Klo mitnehmen, ebenerdig ist es ja sowieso. Gedacht, getan. Am Donnerstag bauten meine herzallerliebsten Freunde das Zelt auf und ich dachte mir, ich könnte ein entspanntes punkiges Wochenende verbringen. Als wir am Freitag eintrafen, fing der böse Zauber schon am Eingang zum Zeltplatz an. Ich stand auf einmal vor einer ca. 50cm breiten Durchgangsschleuse und wußte sofort, daß ich diese nicht passieren kann da mein Rolli ca. 60cm breit ist. Die Security wurde wieder nervös, war aber dieses mal sehr nett und fand dann doch schon nach ca 25 Minuten eine Lösung wie ich zu meinem Zelt und vor allem zu meinem Klo kam.
( So, angekommen, Plörren abladen, schnell einen blubbern und ab dahin wo die Mukke laut ist. Nee quatsch, dann mußte ich wieder ca. 20 Minuten warten, bis der Security-Abteilungsleiter endlich einen Zugang zum Bühnengelände für mein Gefährt und mich klargemacht hatte.
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Auf jeden Fall kam ich irgendwie auf das Bühnengelände und schaute mir, etwas geknickt, die letzte viertel Stunde des III Wahl-Gigs an. Als ich später den Platz wieder verlassen und zu meinem Zelt zurück wollte, war der Extra-Rolli-Eingang verschlossen und mit einer schwarzen Limousine versperrt. Für mich hieß es nun wieder, erst mal einen Verantwortlichen finden, halbe Stunde warten und meiner Blase gut zureden. Auf dem Weg zum Zelt sah ich dann, daß außer mir noch ein Handicapped-Punk unterwegs war. Anscheinend mußte er sich auch mal entleeren und da die Herren RuhrpottRodeo dieses mal wohlweißlich kein Behinderten-WC aufgestellt hatten ;-) , stellte er sich hinter einen Müllcontainer, ließ sich von seinem Kumpel hochheben usw.. Was für eine Show!!! Nächstes Jahr sind wir auf jeden Fall wieder dabei!
Vielen Dank an Alex Schwers, Veranstalter des Ruhrpott Rodeos und Schlagzeuger der legendären PunkrockBand „HASS„!
Ausserdem finde ich, daß dieser Bericht 37,50 Euro Wert ist, oder!?
Silke

5 Antworten zu “Ruhrpott-Rodeo, Arschkarte für Rollipunks!!!”

  1. [...] ich meinen Konzert- bzw. Festivalbericht schreibe, bin ich gerade auf einen interessanten Blogeintrag der pogocam gestoßen. Dort schreibt ‘Silke’, wie das Ruhrpott Rodeo fuer Rollipunks [...]

  2. Hallo Silke,
    das tut mir total leid.
    Bei so nem Festival muss man an 1000 Sachen denken,
    leider hab ich was ganz wichtiges vergessen. Meld dich doch mal bei mir, zwecks wieder gut machung.
    besten gruß
    Alex

  3. tach…
    also ich muss mal sagen, dass ich sowas mal echt interessant finde zu lesen. das ganze thema ist ja eher unbekannt – zumindest für mich. ich wusste nicht einmal von solchen problemen, bzw. denke an einem konzertabend ehrlich gesagt auch gar nicht daran, wo und wie „barrierefreiheit“ realisiert wird… shame on me.

    daher grosses lob an euch, dass hier mal etwas angesprochen wird, was mal nix mit lausigen merch-news, neuen platten, schubladenscheisse oder ähnlichem zu tun hat…

    cheers.

  4. ich weiß, daß die meisten „normalen“ Menschen nicht an die Probleme Behinderter denken. Hab ich früher auch nicht getan (ich saß nicht immer im Rolli).
    Ich nehme es auch keinem krumm, wenn er sich in der Materie nicht auskennt und werde nur böse wenn diese Probleme -trotzdem darauf Aufmerksam gemacht wurde- ignoriert werden. Ich bin der Meinung, daß gerade innerhalb der Scene, wo doch soviel Wert auf Toleranz und Sozialpolitik gelegt wird, dieses Thema mal eine Rolle spielen sollte. Haben wir denn wirklich die Gesetze des Systems nötig, wo wir es doch so verachten?
    Nee, und deswegen werde ich in Kürze einer Organisation das Leben schenken, welche sich mit den Problemen (und deren Behebung) unserer Rollipunk-Buddies befassen wird. So!

    Bis dahin…
    Silke

  5. ok, innerhalb unseres Mail-Verkehrs teilte mir Alex Schwers (Veranstalter des alljährigen Ruhrpott-Rodeos) mit, daß er im nächsten Jahr für die barrierefreien Begebenheiten innerhalb des Rodeos sorgen wird. Juhu und vielen Dank! Scheint doch wirklich n ganz Netter zu sein!

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